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LDL-Cholesterin (Friedewald) berechnen: Formel, Grenzen, Werte

29. Mai 2026·8 min Lesezeit

Auf den meisten Lipidprofilen taucht das LDL-Cholesterin als errechneter Wert auf — geschätzt nach einer Formel von 1972. Die Friedewald-Formel ist bis heute der Standard, hat aber eine klare Achillesferse: hohe Triglyceride.

Dieser Artikel zeigt die Formel in beiden Einheiten, ordnet die Ergebnisse nach ATP III ein und erklärt, wann eine direkte LDL-Messung sinnvoller ist.

Die Formel — zwei Varianten

LDL = Gesamt − HDL − Triglyceride / 5 (mg/dL)
LDL = Gesamt − HDL − Triglyceride / 2,2 (mmol/L)

Hintergrund: Triglyceride / 5 (bzw. /2,2 in mmol/L) schätzt das VLDL-Cholesterin. Was nach Abzug von HDL und VLDL bleibt, ist das LDL.

Beispiel: Gesamt 200, HDL 50, Triglyceride 150 → LDL = 200 − 50 − 30 = 120 mg/dL. Das liegt im Bereich „fast optimal".

ATP-III-Bänder auf einen Blick

LDL-Einordnung (NCEP ATP III)

< 100 mg/dLOptimal
100 – 129 mg/dLFast optimal
130 – 159 mg/dLGrenzwertig
160 – 189 mg/dLHoch
≥ 190 mg/dLSehr hoch

Die ATP-III-Schwellen stammen aus den USA und sind in mg/dL definiert. Internationale Leitlinien (ESC) verwenden teilweise andere Zielwerte je nach Risikostratifizierung.

Wann die Friedewald-Schätzung scheitert

Hauptgrenze

Triglyceride ab 400 mg/dL (4,5 mmol/L) → Friedewald unterschätzt LDL. Direkte Messung anfordern.

Warum? Die Annahme „VLDL = TG/5" gilt nur bei moderaten Triglyceriden. Bei Hypertriglyceridämie (z. B. nach üppigem Essen, bei Diabetes, Pankreatitis-Risiko) verzerren chylomikronenartige Partikel das Verhältnis.

Modernere Schätzer wie Sampson (2020) und Martin-Hopkins (2013) korrigieren diese Schwäche und sind bei sehr niedrigem LDL oder hohen Triglyceriden zuverlässiger.

Was vor dem Test wichtig ist

  • 9–12 Stunden vollständig nüchtern (Wasser ist erlaubt)
  • Kein Alkohol 24 Stunden vor der Blutentnahme
  • Keine akute Krankheit oder OP in den letzten 2–6 Wochen
  • Ruhig und ausgeschlafen (Stress verschiebt das Lipidprofil)

LDL jetzt schätzen lassen

Gesamtcholesterin, HDL und Triglyceride eingeben — der Rechner liefert Friedewald-LDL und die ATP-III-Einordnung.

Zum LDL-Friedewald-Rechner

Was bei erhöhtem LDL hilft

LDL ist hochgradig veränderbar — über Ernährung, Bewegung und Gewicht. Drei Hebel mit der besten Evidenz:

  • 1.Gesättigte Fette und Transfette reduzieren: Wenig fettes Fleisch, Wurst, Butter, frittierte Speisen.
  • 2.Mehr lösliche Ballaststoffe: Hafer, Hülsenfrüchte, Äpfel, Leinsamen binden Cholesterin im Darm.
  • 3.Regelmäßige Bewegung + Gewichtsreduktion: Senkt LDL und Triglyceride, erhöht HDL.

Ab LDL ≥ 190 mg/dL — oder bei zusätzlichen kardiovaskulären Risiken — wird ärztlich oft eine Statintherapie empfohlen. Lifestyle bleibt die Basis.

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LDL ist nur ein Baustein. Für die Risikoeinordnung lohnt sich zusätzlich das Cholesterin-Verhältnis (Total/HDL), der Herz-Kreislauf-Risiko-Rechner nach Framingham/SCORE2 und der Schlaganfall-Risiko-Rechner bei Vorhofflimmern.

Fazit

Die Friedewald-Formel liefert in der überwiegenden Mehrheit der Routinefälle ein verlässliches LDL — aus drei Werten, die jedes Labor ohnehin misst.

Bei Triglyceriden über 400 mg/dL kippt sie. Dann ist die direkte Messung der nächste Schritt. Und unabhängig vom Verfahren gilt: Lebensstil bewegt LDL am stärksten und schnellsten.