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PHQ-9 Depressionstest: Depression erkennen

16. Juni 2026·9 min Lesezeit

Wie ausgeprägt sind deine depressiven Symptome? Der PHQ-9 (Patient Health Questionnaire, 9 Items) liefert in neun Fragen eine validierte Antwort und ist heute das am häufigsten genutzte Werkzeug für das Screening von Depression in Hausarztpraxen, psychiatrisch-psychotherapeutischen Settings und Studien weltweit.

In diesem Beitrag erfährst du, wie der PHQ-9 funktioniert, was die fünf Schweregrade bedeuten, warum die neunte Frage zur Selbstgefährdung eine Sonderrolle einnimmt und was du nach deinem Ergebnis tun kannst.

Dies ist ein Screening-Werkzeug, keine medizinische Diagnose. Bei einem Wert ab 10 oder bei Beschwerden bitte ärztlichen Rat einholen. Bei Gedanken an Selbstgefährdung sofort Hilfe holen: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 / 0800 111 0 222 (kostenlos, 24/7) oder Notruf 112.

Was ist der PHQ-9?

Der PHQ-9 wurde 2001 von Kroenke, Spitzer und Williams im Journal of General Internal Medicine publiziert. Er bildet die neun Kernsymptome einer Major Depression aus dem Diagnosemanual DSM direkt ab und fragt, wie häufig sie dich über die letzten 2 Wochen belastet haben. Jedes Item wird mit 0 (Überhaupt nicht) bis 3 (Beinahe jeden Tag) bewertet, der Gesamtscore reicht von 0 bis 27.

Bei einem Cutoff von 10 hat der PHQ-9 eine Sensitivität und Spezifität von jeweils rund 88 % für eine Major Depression. Im deutschsprachigen Raum ist er als Teil des Gesundheitsfragebogens für Patienten (PHQ-D) weit verbreitet. Er ist gemeinfrei und kostenlos einsetzbar — einer der Gründe für seine globale Verbreitung.

Die neun Fragen

„Wie oft fühlten Sie sich im Verlauf der letzten 2 Wochen durch die folgenden Beschwerden beeinträchtigt?“

  1. Wenig Interesse oder Freude an Ihren Tätigkeiten
  2. Niedergeschlagenheit, Schwermut oder Hoffnungslosigkeit
  3. Schwierigkeiten ein- oder durchzuschlafen oder vermehrter Schlaf
  4. Müdigkeit oder Gefühl, keine Energie zu haben
  5. Verminderter Appetit oder übermäßiges Bedürfnis zu essen
  6. Schlechte Meinung von sich selbst; Gefühl, ein Versager zu sein
  7. Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren
  8. Verlangsamung oder im Gegenteil ungewohnte Unruhe
  9. Gedanken, lieber tot zu sein oder sich Leid zuzufügen

Antwortoptionen: Überhaupt nicht (0), An einzelnen Tagen (1), An mehr als der Hälfte der Tage (2), Beinahe jeden Tag (3).

Score-Bereiche

ScoreSchweregradBedeutung
0 – 4MinimalMinimale Symptome — weiter beobachten
5 – 9MildSelbstfürsorge, Unterstützung, Wiederholung in 2–4 Wochen
10 – 14ModeratÄrztlichen Rat einholen, weitere Abklärung
15 – 19MittelschwerZeitnah professionelle Hilfe — aktive Behandlung empfohlen
20 – 27SchwerZeitnah professionelle Hilfe — Behandlung dringend empfohlen

Der Cutoff von 10 ist die etablierte Schwelle für eine weitere klinische Abklärung. Eine Score-Veränderung um ≥ 5 Punkte gilt als klinisch bedeutsam — wichtig zur Verlaufsbeurteilung unter Therapie.

Die Sonderrolle von Frage 9

Anders als alle anderen Items steht die neunte Frage zur Selbstgefährdung für sich. Sie fragt nach Gedanken, lieber tot zu sein oder sich Leid zuzufügen. Wer hier mehr als „Überhaupt nicht“ ankreuzt, sollte unabhängig vom Gesamtscore sofort Unterstützung suchen — selbst dann, wenn die übrigen acht Fragen niedrig ausfallen und der Gesamtwert im minimalen Bereich liegt.

Genau deshalb zeigt der Rechner bei einer positiven Antwort auf Item 9 einen eigenen, deutlich hervorgehobenen Hinweis an. Ein niedriger Gesamtscore mit positivem Item 9 ist der kritische Fall, der leicht übersehen wird. Suizidale Gedanken sind ein medizinischer Notfall — bitte zögere nicht, Hilfe zu holen.

Was der PHQ-9 nicht ersetzt

Der PHQ-9 erkennt Symptomhäufigkeit, aber nicht die Ursache. Schilddrüsenunterfunktion, Eisenmangel, chronischer Schlafmangel, Medikamente und körperliche Erkrankungen können ein depressionsähnliches Bild erzeugen. Ein erhöhter Score sollte deshalb immer ärztlich eingeordnet werden.

Auch trennt der PHQ-9 nicht zwischen Depression und Angst — beide treten häufig gemeinsam auf. In der Praxis werden PHQ-9 und GAD-7 deshalb oft gemeinsam eingesetzt.

Was du jetzt tun kannst

  • Score < 5: Symptome minimal. Weiter beobachten und Belastungen reduzieren.
  • Score 5–9: Selbstfürsorge — Schlaf, Bewegung, soziale Kontakte, Tagesstruktur. Re-Test in 2–4 Wochen.
  • Score ≥ 10: Termin beim Hausarzt oder Psychotherapeuten. Psychotherapie ist gut belegt; medikamentöse Optionen (z. B. SSRI) gibt es ebenfalls.
  • Gedanken an Selbstgefährdung — unabhängig vom Score: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 / 0800 111 0 222 (kostenlos, 24/7) oder Notruf 112.

Verwandte Themen & Rechner

  • GAD-7 Angst-Screening — Depression und Angst treten häufig gemeinsam auf. Der GAD-7 ergänzt den PHQ-9 für ein vollständigeres Bild. Zum GAD-7-Artikel.
  • Schlafzyklen — Schlafstörungen sind ein Kernsymptom der Depression (Frage 3). Geregelter Schlaf wirkt sich häufig direkt auf den PHQ-9-Score aus. Zum Schlafzyklen-Artikel.
  • Biologisches Alter — anhaltende depressive Symptome und chronischer Stress beschleunigen die Alterung. Ein Blick auf das biologische Alter ordnet Lebensstil-Faktoren ein. Zum Artikel über biologisches Alter.

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Häufige Fragen

Wie oft sollte ich den PHQ-9 machen?

Sinnvoll ist ein Ausgangswert und dann alle 2–4 Wochen während einer Behandlung oder bei Symptomveränderungen. Die Trend-Entwicklung über mehrere Tests ist aussagekräftiger als ein Einzelwert.

Ich habe Frage 9 angekreuzt — was nun?

Jede Antwort außer „Überhaupt nicht“ auf Frage 9 ist ein ernstes Signal, unabhängig vom Gesamtscore. Bitte hole dir sofort Hilfe: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr), in akuten Notfällen den Notruf 112. Du musst das nicht allein durchstehen.

Funktioniert der PHQ-9 auch bei Jugendlichen?

Der PHQ-9 ist für Erwachsene validiert. Für Jugendliche gibt es die angepasste Variante PHQ-A. Für jüngere Kinder sind altersgerechtere Werkzeuge vorzuziehen.

Erkennt der PHQ-9 auch Angststörungen?

Nein, der PHQ-9 ist auf Depression optimiert. Für Angst nutzt man ergänzend den GAD-7. In der Praxis werden beide häufig gemeinsam eingesetzt, da Depression und Angst oft zusammen auftreten.