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Mittlerer arterieller Druck (MAP) berechnen: Formel, Normalwerte, Bedeutung

27. Mai 2026·7 min Lesezeit

120 zu 80 — diese zwei Zahlen kennt jeder. Aber im Krankenhaus, besonders auf der Intensivstation, schauen Ärzte oft auf eine dritte Zahl: den mittleren arteriellen Druck (MAP). Er sagt, wie gut das Herz die Organe wirklich durchblutet.

Dieser Artikel erklärt die Formel, die Normalbereiche und warum der MAP für die Organperfusion wichtiger ist als die einzelnen Blutdruckwerte allein.

Die Formel: einfach, aber clever

Der MAP wird klinisch mit einer einfachen Formel geschätzt:

MAP ≈ (SBP + 2 × DBP) / 3

Warum wird der diastolische Druck doppelt gewichtet? Weil das Herz etwa zwei Drittel des Herzzyklus in der Diastole verbringt — also in der Entspannungsphase. Der niedrigere Druck dauert länger, also wirkt er stärker auf den Durchschnitt.

Beispiel: Bei 120/80 mmHg ergibt sich (120 + 160) / 3 = 93,3 mmHg. Das ist ein typischer Normalwert für gesunde Erwachsene.

Normalbereiche auf einen Blick

MAP-Kategorien

Unter 70 mmHgNiedrig
70 – 100 mmHgNormal
Über 100 mmHgHoch

Die kritische Untergrenze für die Organperfusion liegt bei 65 mmHg. Werte darunter gelten in der Intensivmedizin als alarmierend, weil Nieren, Gehirn und Herzmuskel nicht mehr ausreichend versorgt werden.

Warum MAP wichtiger ist als Systole oder Diastole allein

Die systolische Zahl (oben) sagt, wie hoch der Druck beim Pumpen wird. Die diastolische (unten) sagt, wie tief er zwischen den Pumpaktionen fällt. Beides sind Momentaufnahmen.

Der MAP dagegen ist der Durchschnittsdruck über den gesamten Zyklus. Genau dieser Druck treibt das Blut kontinuierlich durch die Kapillaren in Nieren, Gehirn und Herzmuskel. Deshalb steuern Intensivmediziner Katecholamine und Volumengabe nicht nach Systole, sondern nach MAP.

Faustregel: Solange der MAP ≥ 65 mmHg liegt, ist die Organperfusion meist gesichert — unabhängig davon, ob die einzelnen Werte „schön" aussehen.

MAP bei älteren Erwachsenen

Bei Menschen ab etwa 65 Jahren arbeitet die zerebrale Autoregulation träger. Die Gefäße im Gehirn können einen Blutdruckabfall schlechter kompensieren. Deshalb peilen viele Kliniker hier einen MAP von 70 bis 90 mmHg an — also etwas höher als bei jüngeren Patienten.

Worauf bei älteren Patienten achten?

  • → Schwindel oder Stürze bei zu niedrigem MAP
  • → Sturzgefahr bei orthostatischer Hypotonie
  • → Medikamenten-Anpassung mit Hausarzt besprechen
  • → MAP-Ziel individuell vom Arzt festlegen lassen

Wann ein niedriger MAP gefährlich wird

Ein MAP unter 65 mmHg kann unter anderem entstehen durch:

  • Volumenmangel (z. B. durch Dehydratation oder Blutung)
  • Sepsis und septischer Schock
  • Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpleistung
  • Überdosierung blutdrucksenkender Medikamente

Symptome wie Schwindel, Schwäche, Verwirrtheit oder kühle Extremitäten sollten ärztlich abgeklärt werden.

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MAP allein ist nur ein Mosaikstein. Den vollständigen Blutdruck-Status hilft der Blutdruck-Rechner einzuordnen. Für die langfristige Risikobewertung ist der Herz-Kreislauf-Risiko-Rechner hilfreich — und wer Vorhofflimmern hat, sollte den Schlaganfall-Risiko-Rechner kennen.

Fazit

Der MAP ist die unterschätzte dritte Blutdruckzahl. Während Systole und Diastole nur Spitzenwerte zeigen, beschreibt MAP den durchschnittlichen Perfusionsdruck — und damit das, worauf es für die Organe wirklich ankommt.

Mit der einfachen Formel (SBP + 2 × DBP) / 3 lässt er sich in Sekunden berechnen. Für die häusliche Orientierung reicht das. Für medizinische Entscheidungen bleibt der Arzt zuständig.