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PMS-Symptome bewerten: PSST-Score, PMDD-Diagnose und der Weg zur Therapie

13. Mai 2026·8 min Lesezeit

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) kennt fast jede Frau — leichte Stimmungsschwankungen, Brustspannen, Müdigkeit in der Woche vor der Periode. Aber bei etwa 3 bis 8 % der Frauen wird daraus eine eigenständige Erkrankung: die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDD). Sie ist schwer, sie ist real — und sie ist gut behandelbar.

Das Premenstrual Symptoms Screening Tool (PSST) hilft, beides zu unterscheiden. Es bildet die DSM-5-Kriterien für PMDD ab und gibt dir einen klaren Ausgangspunkt für das Gespräch mit der Gynäkologin.

Was ist PMS, was ist PMDD?

PMS und PMDD sind beide an die Lutealphase des Zyklus gebunden — also die 1 bis 2 Wochen vor der Periode. Die Symptome verschwinden mit Beginn der Blutung. Wer Symptome auch in der ersten Zyklushälfte hat, leidet wahrscheinlich an etwas anderem (z. B. Depression, Angststörung, Schilddrüse).

MerkmalPMSPMDD
Häufigkeitbis 75 %3–8 %
HauptsymptomeKörperlich + leicht psychischSchwer affektiv (Wut, Angst, Depression)
Beeinträchtigungleicht bis mittelschwer, Lebensqualität deutlich reduziert
DSM-5keine Diagnoseeigenständige psychische Diagnose

Das PSST — 14 Symptome, 5 Lebensbereiche

Der Premenstrual Symptoms Screening Tool wurde 2003 von Steiner und Kollegen entwickelt. Er hat zwei Teile: 14 Symptom-Items und 5 Items zur Beeinträchtigung im Alltag. Jedes Item wird auf einer 4-stufigen Skala bewertet (0 = gar nicht, 3 = stark).

GruppeItems
Kern (4)Wut/Reizbarkeit, Angst, Weinerlichkeit, depressive Verstimmung
Weitere (10)Interesse, Konzentration, Müdigkeit, Heißhunger, Schlaf, Überforderung, körperliche Beschwerden
Beeinträchtigung (5)Arbeit, Kolleg:innen, Familie, soziales Leben, Haushalt

Die PSST-Kriterien

PMDD (alle drei Bedingungen)

  • ≥ 1 Kernsymptom stark (Stufe 3)
  • ≥ 4 weitere Symptome mittel oder stark (Stufe ≥ 2)
  • ≥ 1 Beeinträchtigung stark (Stufe 3)

Mittelschweres bis schweres PMS

  • ≥ 1 Kernsymptom mittel oder stark
  • ≥ 4 weitere Symptome mittel oder stark
  • ≥ 1 Beeinträchtigung mittel oder stark

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Therapie — was wirklich hilft

Lebensstil bei leichtem PMS

Regelmäßige Bewegung (3–5×/Woche, auch in der Lutealphase), Schlafhygiene, Stressabbau, Reduktion von Alkohol und Koffein. Kalzium 1.000–1.200 mg/Tag, Vitamin B6 50–100 mg, Magnesium 200–400 mg — evidenzbasiert, mild wirksam.

Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus)

In mehreren RCT bei mittlerem PMS wirksam. Wirkprofil mild, Nebenwirkungen selten. Erste Wahl bei pflanzlicher Präferenz.

Kombinierte Pille mit Drospirenon

24/4-Schema (z. B. Yaz, Yasminelle). Von der FDA für PMDD zugelassen, in Studien klar wirksam gegen affektive und körperliche Symptome. Klassische 21/7-Pillen wirken oft weniger.

SSRI bei PMDD

Fluoxetin, Sertralin oder Paroxetin sind Erstlinientherapie bei PMDD. Können auch nur in der Lutealphase eingenommen werden — Wirkung bereits in der ersten Woche. Therapie der Wahl bei dominanter Stimmungssymptomatik.

Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)

Wirksam bei moderatem bis schwerem PMS und PMDD. Wirkt besonders gut auf Reizbarkeit, depressive Verstimmung und Bewältigungsstrategien.

Wann zur Gynäkologin?

Spätestens bei mittelschwerem bis schwerem PMS oder PMDD-Verdacht. Bring zum Termin ein Zyklustagebuch über mindestens 2 Zyklen mit (Tagesnotizen zu Stimmung, Schlaf, Symptomen). Das ist die Grundlage jeder PMDD-Diagnose nach DSM-5.

Wenn dein Zyklus stark unregelmäßig ist oder Anzeichen für Hyperandrogenismus bestehen, prüfe parallel den PCOS-Symptom-Check. Den genauen Lutealphasen-Beginn findest du mit dem Eisprungrechner. Wer den eigenen Zyklus generell besser verstehen will, findet im Zyklusrechner-Guide alle Phasen, hormonellen Verläufe und Auswertungs-Tipps.

Fazit

PMS ist häufig — PMDD ist real, schwer und oft jahrelang unerkannt. Der PSST trennt beide zuverlässig und gibt dir einen klaren Ausgangspunkt für die nächste Sprechstunde. Starte mit dem PMS-Symptome-Rechner, führe ein Zyklustagebuch und sprich mit deiner Gynäkologin — wirksame Therapien existieren für jede Stufe.