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PCOS-Symptome erkennen: Rotterdam-Kriterien, Anzeichen und der Weg zur Diagnose

1. Mai 2026·8 min Lesezeit

Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist die häufigste Hormonstörung bei Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter — und gleichzeitig die am häufigsten übersehene. Etwa 5–10 % aller Frauen sind betroffen, doch viele bekommen ihre Diagnose erst nach Jahren der Beschwerden.

Dieser Artikel zeigt dir die typischen Symptome, die internationalen Rotterdam-Kriterien und den klaren Weg zur Diagnose — damit du mit einem fundierten Verdacht in die gynäkologische Praxis gehen kannst.

Die Rotterdam-Kriterien (2 von 3 reichen)

Seit 2003 sind die Rotterdam-Kriterien (ESHRE/ASRM) der internationale Goldstandard für die PCOS-Diagnose. Du erfüllst PCOS, wenn zwei der drei folgenden Kriterien zutreffen:

1. Zyklusstörung (Oligo- oder Anovulation)

Zyklen länger als 35 Tage, kürzer als 21 Tage, oder weniger als 8 Perioden pro Jahr.

2. Hyperandrogenismus

Klinisch (Hirsutismus, Akne, androgener Haarausfall) oder im Labor (Testosteron, freier Androgenindex).

3. Polyzystische Ovarien im Ultraschall

≥ 20 Follikel pro Ovar oder Ovarvolumen ≥ 10 ml — beurteilt durch transvaginale Sonografie.

Wichtig: Andere Ursachen (Hyperprolaktinämie, Schilddrüse, AGS) müssen vorher ausgeschlossen sein.

Typische Symptome — und was sie bedeuten

SymptomHintergrund
Unregelmäßige ZyklenAnovulation durch gestörte LH/FSH-Regulation
HirsutismusErhöhte Androgene, modifizierter Ferriman-Gallwey ≥ 8
Akne, fettige HautTalgproduktion durch Testosteron-Wirkung
Haarausfall am KopfAndrogene Alopezie, scheitelbetontes Lichten
Gewichtszunahme, BauchfettInsulinresistenz und gestörte Glucose-Verwertung
Acanthosis nigricansDunkle Hautstellen — direkter Marker für Insulinresistenz
Unerfüllter KinderwunschAnovulation als häufigste Ursache von Infertilität bei PCOS

Insulinresistenz: der oft übersehene Treiber

Bis zu 70 % der Frauen mit PCOS haben eine Insulinresistenz — unabhängig vom Gewicht. Das hohe Insulin steigert die Androgenproduktion in den Ovarien und blockiert SHBG in der Leber, sodass mehr freies Testosteron aktiv wird. Acanthosis nigricans (dunkle, samtige Hautstellen in Hautfalten) ist der klinische Hinweis schlechthin.

Ein erhöhter Nüchterninsulinspiegel oder ein auffälliger oraler Glukosetoleranztest gehören deshalb in jede PCOS-Abklärung. Lies dazu den Artikel zum Diabetes-Risiko — die metabolische Verbindung ist eng.

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Der Weg zur Diagnose

  1. Zyklusprotokoll über 3–6 Monate (Apps wie Period-Tracker oder Basaltemperatur).
  2. Hormonstatus in der frühen Follikelphase (Tag 2–5): Testosteron, SHBG, freier Androgenindex, DHEAS, LH/FSH, Östradiol, Prolaktin, TSH, 17-OH-Progesteron.
  3. Stoffwechsel-Labor: Nüchterninsulin, HbA1c, OGTT, Lipide.
  4. Transvaginaler Ultraschall in der Follikelphase für Follikelzahl und Ovarvolumen.
  5. Differentialdiagnose ausschließen: Hyperprolaktinämie, Schilddrüse, NCAH (17-OH-Progesteron), Cushing.

Was hilft? Therapie auf den Punkt

Lebensstil

5–10 % Gewichtsabnahme bringt bei Übergewicht oft schon den Zyklus zurück und senkt Androgene messbar. Krafttraining hilft gegen Insulinresistenz.

Medikamente

Metformin (Insulinresistenz), kombinierte Pille (Zyklus, Akne, Hirsutismus), Spironolacton (Antiandrogen), Letrozol bei Kinderwunsch.

Nahrungsergänzung

Inositol (Myo-/D-Chiro 40:1) hat in Studien Zyklus und Eisprung verbessert. Vitamin D bei Mangel ergänzen.

Verwandte Rechner

PCOS hängt eng mit Eisprung, Zyklus und Stoffwechsel zusammen. Verfolge deinen Zyklus mit dem Zyklusrechner, plane den Eisprung und prüfe dein Diabetes-Risiko — drei Werte, die zusammen ein klares Bild deines reproduktiv-metabolischen Status zeichnen.

Fazit

PCOS ist eine Diagnose mit Hebel: einmal erkannt, sind Lebensstil und Medikamente sehr wirksam — Zyklus, Haut, Haare und Fertilität verbessern sich oft deutlich. Der erste Schritt ist, die Symptome ernst zu nehmen. Starte mit dem PCOS-Symptom-Rechner und gehe mit dem Ergebnis fundiert in die nächste Sprechstunde.