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Körperoberfläche berechnen — BSA-Formeln und medizinische Bedeutung

12. April 2026·7 min Lesezeit

Die Körperoberfläche (Body Surface Area, BSA) ist eine der wichtigsten Größen in der klinischen Medizin. Sie bildet die Basis für die Dosierung von Chemotherapeutika, die Einschätzung von Verbrennungen und die Normierung der Nierenfunktion.

In diesem Artikel erfährst du, welche Formeln es gibt, wie sie sich unterscheiden und wann welche verwendet wird.

Was ist die Körperoberfläche?

Die Körperoberfläche gibt an, wie groß die gesamte Außenfläche des menschlichen Körpers ist — von der Kopfhaut bis zur Fußsohle. Sie wird in Quadratmetern (m²) angegeben.

Für einen durchschnittlichen Erwachsenen liegt sie zwischen 1,6 m² (Frauen) und 1,9 m² (Männer). Kinder haben naturgemäß kleinere Werte — ein Neugeborenes hat etwa 0,2 m².

Warum ist die BSA wichtiger als das Körpergewicht?

Das Körpergewicht allein berücksichtigt nicht die Körperzusammensetzung. Eine 80 kg schwere, 1,90 m große Person hat eine deutlich andere Körperoberfläche als eine 80 kg schwere, 1,60 m große Person. Dosierungen nach BSA sind daher individuell präziser.

Die vier Standardformeln

Für die Berechnung der Körperoberfläche existieren mehrere wissenschaftlich validierte Formeln. Sie unterscheiden sich in Präzision, Zielgruppe und Verbreitung.

FormelJahrBesonderheit
Du Bois1916Älteste, am meisten verwendete Formel; Standard in der Onkologie
Mosteller1987Einfachste Berechnung; empfohlen vom New England Journal of Medicine
Haycock1978Optimiert für Kinder und Erwachsene; gilt als besonders präzise
Boyd1935Nichtlineare Gewichtsbeziehung; weniger klinisch verbreitet

Du Bois (1916)

Die Formel von Du Bois und Du Bois ist die älteste und meistverwendete Formel zur BSA-Berechnung. Sie wurde an einer kleinen Stichprobe entwickelt, hat sich aber in der klinischen Praxis bewährt:

BSA = 0,007184 × Größe (cm)^0,725 × Gewicht (kg)^0,425

Für einen 170 cm großen, 70 kg schweren Menschen ergibt sich BSA ≈ 1,81 m².

Mosteller (1987)

Die Mosteller-Formel ist die einfachste Berechnung und liefert sehr gute Ergebnisse. Sie wurde im New England Journal of Medicine veröffentlicht und ist besonders für die schnelle klinische Anwendung geeignet:

BSA = √(Größe (cm) × Gewicht (kg) / 3600)

Haycock (1978)

Die Haycock-Formel wurde speziell für Kinder entwickelt und gilt auch bei Erwachsenen als sehr präzise:

BSA = 0,024265 × Größe (cm)^0,3964 × Gewicht (kg)^0,5378

Boyd (1935)

Die Boyd-Formel berücksichtigt eine nichtlineare Beziehung zwischen Gewicht und BSA und wird heute seltener verwendet:

BSA = 0,0003207 × Größe (cm)^0,3 × Gewicht (g)^(0,7285 − 0,0188 × log₁₀(Gewicht (g)))

Medizinische Anwendungen

Chemotherapie-Dosierung

Die wichtigste klinische Anwendung der BSA ist die Dosierung von Chemotherapeutika. Da viele Krebsmedikamente eine enge therapeutische Breite haben — zu wenig wirkt nicht, zu viel ist giftig — wird die Dosis präzise nach Körperoberfläche berechnet: in mg/m².

Zum Beispiel wird Cisplatin häufig mit 75–100 mg/m² alle 3–4 Wochen dosiert. Bei einer BSA von 1,80 m² entspricht das einer Gesamtdosis von 135–180 mg.

Verbrennungsmedizin

Bei Verbrennungsopfern wird der Anteil der verbrannten Körperoberfläche nach der Neuner-Regel geschätzt: Kopf 9 %, jeder Arm 9 %, jeder Oberschenkel 9 %, jeder Unterschenkel 9 %, Vorder- und Rücken je 18 %. Die geschätzte Fläche fließt direkt in die Flüssigkeitsersatz-Berechnung ein.

Nierenfunktion (GFR)

Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) wird auf eine Standard-Körperoberfläche von 1,73 m² normiert. Diese Normierung — bekannt als „BSA-adjustierte GFR" — ermöglicht den Vergleich der Nierenfunktion zwischen Patienten unterschiedlicher Körpergröße.

Körperoberfläche berechnen

Berechne deine BSA mit allen vier Formeln und vergleiche die Ergebnisse direkt.

Zum BSA-Rechner →

Welche Formel sollte ich verwenden?

In der klinischen Praxis gilt: Die verwendete Formel hängt vom medizinischen Kontext ab.

  • Onkologie / Chemotherapie: Du Bois ist Standard — historisch bedingt und gut validiert.
  • Klinische Entscheidungen allgemein: Mosteller — einfach und ausreichend präzise.
  • Pädiatrie: Haycock — entwickelt und validiert für Kinder.
  • Forschung: Alle Formeln vergleichen und die Varianz berichten.

Für Laien ist es weniger relevant, welche Formel man verwendet — die Unterschiede sind meist kleiner als 2–3 %. Wichtig ist, den eigenen Wert zu kennen und ihn bei medizinischen Gesprächen parat zu haben.