Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) ist der wichtigste Parameter zur Beurteilung der Nierenfunktion. Sie gibt an, wie viel Blut die Nieren pro Minute filtern. Ein niedriger Wert deutet auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hin.
Da eine direkte GFR-Messung aufwendig ist, wird in der klinischen Praxis die geschätzte GFR (eGFR) aus Serum-Kreatinin, Alter und Geschlecht berechnet. Die CKD-EPI 2021-Formel ist dabei der aktuelle Goldstandard.
Was ist die glomeruläre Filtrationsrate?
Die Glomeruli sind winzige Filterknäuel in den Nieren. Pro Niere gibt es etwa eine Million. Gemeinsam filtern sie täglich rund 180 Liter Blut — das entspricht einem eGFR-Wert von 90–120 mL/min/1,73 m² bei gesunden Erwachsenen.
Der eGFR-Wert wird auf eine Standardkörperoberfläche von 1,73 m² normiert. Das ermöglicht den Vergleich zwischen Patienten unterschiedlicher Körpergröße. Werte über 60 gelten generell als ausreichend für den Alltag, darunter spricht man von einer chronischen Nierenerkrankung (CKD).
Die CKD-EPI 2021-Formel
Die CKD-EPI 2021 (Chronic Kidney Disease Epidemiology Collaboration) ist die von der KDIGO (Kidney Disease: Improving Global Outcomes) empfohlene Formel. Sie löste die ältere CKD-EPI 2009 ab, die noch einen rassenbezogenen Korrekturfaktor enthielt.
Der Vorteil gegenüber der MDRD-Formel: CKD-EPI liefert präzisere Werte im normalen und leicht erhöhten Bereich — also genau dort, wo frühe Nierenschäden erkannt werden sollen.
CKD-Stadien nach KDIGO
Die KDIGO teilt die chronische Nierenerkrankung (CKD) in sechs Stadien ein:
| Stadium | eGFR (mL/min/1,73m²) | Bedeutung |
|---|---|---|
| G1 | ≥ 90 | Normal oder erhöht |
| G2 | 60 – 89 | Leicht eingeschränkt |
| G3a | 45 – 59 | Leicht bis mäßig eingeschränkt |
| G3b | 30 – 44 | Mäßig bis stark eingeschränkt |
| G4 | 15 – 29 | Stark eingeschränkt |
| G5 | < 15 | Nierenversagen |
Wichtig: Ein einzelner eGFR-Wert ist kein Diagnosekriterium. CKD wird erst diagnostiziert, wenn Auffälligkeiten über mindestens 3 Monate anhalten.
Serum-Kreatinin: mg/dL und µmol/L
Kreatinin ist ein Stoffwechselprodukt des Muskelstoffwechsels. Es wird fast ausschließlich durch die Nieren ausgeschieden — ein erhöhter Kreatininwert weist daher auf eine eingeschränkte Filtration hin.
In Deutschland wird Kreatinin meist in mg/dL angegeben, in vielen anderen Ländern in µmol/L. Die Umrechnung:
Normalwerte: Männer 0,7–1,2 mg/dL (62–106 µmol/L), Frauen 0,5–1,0 mg/dL (44–88 µmol/L). Ältere Menschen und Personen mit wenig Muskelmasse haben tendenziell niedrigere Werte.
Wann zum Arzt?
Hausarzt informieren und Risikofaktoren (Blutdruck, Blutzucker) regelmäßig kontrollieren.
Regelmäßige Verlaufskontrollen beim Hausarzt oder Nephrologen (mindestens einmal jährlich).
Nephrologen aufsuchen. Engmaschige Überwachung und Anpassung der Medikation notwendig.
Dringende nephrologische Behandlung. Vorbereitung auf Dialyse oder Nierentransplantation besprechen.
Verwandte Gesundheitsrechner
Nierenfunktion ist eng mit anderen Gesundheitsparametern verknüpft. Diese Rechner helfen bei der Gesamtbewertung:
- Blutdruck-Rechner — Bluthochdruck ist eine der häufigsten Ursachen für Nierenerkrankungen.
- Blutzucker-Umrechner — Diabetes ist die zweithäufigste Ursache für CKD.
- BMI-Rechner — Übergewicht erhöht das Risiko für Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.