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Knöchel-Arm-Index (ABI) berechnen: Formel, Werte, pAVK-Screening

30. Mai 2026·8 min Lesezeit

Beinschmerzen beim Gehen, die in Ruhe verschwinden? Kalte Füße auf einer Seite? Eine nicht heilende Wunde am Vorfuß? Der Knöchel-Arm-Index ist die einfachste Antwort auf die Frage: „Sind die Beinarterien noch durchgängig?"

Vier Blutdruckmessungen, eine Division — und ein zuverlässiges Screening auf die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Diese Anleitung zeigt die Formel, die ACC/AHA-Bänder und die Stolperfalle bei verkalkten Gefäßen.

Die Formel

ABI(Seite) = Knöchel-SBP(Seite) ÷ max(linker Arm-SBP, rechter Arm-SBP)

Der höhere der beiden Arm-Drücke wird als Referenz verwendet — denn er spiegelt den zentralen systemischen Druck besser wider. Pro Bein erhält man einen ABI. Der Gesamt-ABI ist der niedrigere der beiden Werte, weil pAVK oft nur eine Seite betrifft.

Beispiel: Linker Arm 130, rechter Arm 135, linker Knöchel 90, rechter Knöchel 140. ABI links = 90 / 135 ≈ 0,67 (mittel), ABI rechts = 140 / 135 ≈ 1,04 (normal). Gesamt-ABI = 0,67 — Verdacht auf pAVK links.

ACC/AHA-Bänder auf einen Blick

ABI-Klassifikation

≤ 0,50Schwere pAVK
0,50 – 0,79Mittel
0,80 – 0,89Leicht
0,90 – 0,99Grenzwertig
1,00 – 1,40Normal
> 1,40Nicht komprimierbar

Ein ABI ≤ 0,90 bestätigt eine pAVK mit hoher Spezifität (95 %+). Werte zwischen 0,90 und 0,99 sind grenzwertig und sollten in 3–6 Monaten kontrolliert oder durch Belastungstest ergänzt werden.

Die Mediasklerose-Falle: ABI > 1,4

Achtung bei Diabetes und CKD

Ab ABI > 1,4 sind die Knöchelarterien zu verkalkt, um sich abdrücken zu lassen. Der Wert ist diagnostisch unzuverlässig — eine pAVK kann trotzdem vorliegen.

Bei Mönckeberg-Mediasklerose (typisch bei Diabetes mellitus oder chronischer Niereninsuffizienz) lagert sich Kalzium in die Tunica media ein. Die Manschette komprimiert die Arterie nicht mehr vollständig — der gemessene Druck ist falsch hoch.

Alternative: der Zehen-Arm-Index (TBI). Die Zehenarterien sind selten von Mediasklerose betroffen. Ein TBI < 0,7 deutet auf pAVK hin.

Wer sollte einen ABI-Test machen?

  • Alle Erwachsenen ab 65 Jahren
  • Raucher und Ex-Raucher ab 50 Jahren
  • Menschen mit Diabetes ab 50
  • Bekannte Atherosklerose (KHK, Schlaganfall in der Vorgeschichte)
  • Claudicatio intermittens — belastungsabhängiger Wadenschmerz
  • Nicht heilende Fußwunden, kalte oder pulslose Extremitäten

ABI jetzt berechnen

Vier systolische Drücke eingeben — der Rechner liefert seitengetrennten und Gesamt-ABI plus ACC/AHA-Klassifikation.

Zum Knöchel-Arm-Index-Rechner

Was bei auffälligem ABI hilft

pAVK ist eine systemische Erkrankung — wer atherosklerotisch verschlossene Beinarterien hat, hat auch ein erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Drei Hebel mit der besten Evidenz:

  • 1.Rauchstopp: Senkt das Progressionsrisiko der pAVK drastischer als jedes Medikament.
  • 2.Strukturiertes Gehtraining: 3 × pro Woche bis zur Schmerzgrenze — verlängert die schmerzfreie Gehstrecke nachweislich.
  • 3.Medikamentöse Sekundärprävention: Statin (LDL-Ziel < 70 mg/dL), Thrombozytenaggregationshemmer, Blutdruckeinstellung < 140/90.

Ab ABI < 0,50, Ruheschmerz oder Wundheilungsstörung: gefäßchirurgische oder interventionelle Vorstellung — Bypass, Angioplastie oder Stent können die Extremität retten.

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ABI ist ein Baustein im kardiovaskulären Risikoprofil. Sinnvoll kombinieren mit dem Blutdruck-Rechner für die Klassifikation der arteriellen Hypertonie, dem Herz-Kreislauf-Risiko-Rechner nach Framingham/SCORE2 und dem Diabetes-Risiko-Rechner, da Diabetes ein wesentlicher Treiber der pAVK ist.

Fazit

Der Knöchel-Arm-Index liefert mit minimalem Aufwand eine zuverlässige Aussage darüber, ob die Beinarterien noch frei durchblutet sind. Vier Manschettendrücke, eine Division, ein klares Ergebnis nach ACC/AHA.

Bei Werten unter 0,90 oder über 1,40 lohnt sich der Gang zur Gefäßmedizin. Beides hat klinische Konsequenzen — und beide Befunde sind häufiger, als die meisten denken.