Beinschmerzen beim Gehen, die in Ruhe verschwinden? Kalte Füße auf einer Seite? Eine nicht heilende Wunde am Vorfuß? Der Knöchel-Arm-Index ist die einfachste Antwort auf die Frage: „Sind die Beinarterien noch durchgängig?"
Vier Blutdruckmessungen, eine Division — und ein zuverlässiges Screening auf die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Diese Anleitung zeigt die Formel, die ACC/AHA-Bänder und die Stolperfalle bei verkalkten Gefäßen.
Die Formel
Der höhere der beiden Arm-Drücke wird als Referenz verwendet — denn er spiegelt den zentralen systemischen Druck besser wider. Pro Bein erhält man einen ABI. Der Gesamt-ABI ist der niedrigere der beiden Werte, weil pAVK oft nur eine Seite betrifft.
Beispiel: Linker Arm 130, rechter Arm 135, linker Knöchel 90, rechter Knöchel 140. ABI links = 90 / 135 ≈ 0,67 (mittel), ABI rechts = 140 / 135 ≈ 1,04 (normal). Gesamt-ABI = 0,67 — Verdacht auf pAVK links.
ACC/AHA-Bänder auf einen Blick
ABI-Klassifikation
Ein ABI ≤ 0,90 bestätigt eine pAVK mit hoher Spezifität (95 %+). Werte zwischen 0,90 und 0,99 sind grenzwertig und sollten in 3–6 Monaten kontrolliert oder durch Belastungstest ergänzt werden.
Die Mediasklerose-Falle: ABI > 1,4
Achtung bei Diabetes und CKD
Ab ABI > 1,4 sind die Knöchelarterien zu verkalkt, um sich abdrücken zu lassen. Der Wert ist diagnostisch unzuverlässig — eine pAVK kann trotzdem vorliegen.
Bei Mönckeberg-Mediasklerose (typisch bei Diabetes mellitus oder chronischer Niereninsuffizienz) lagert sich Kalzium in die Tunica media ein. Die Manschette komprimiert die Arterie nicht mehr vollständig — der gemessene Druck ist falsch hoch.
Alternative: der Zehen-Arm-Index (TBI). Die Zehenarterien sind selten von Mediasklerose betroffen. Ein TBI < 0,7 deutet auf pAVK hin.
Wer sollte einen ABI-Test machen?
- →Alle Erwachsenen ab 65 Jahren
- →Raucher und Ex-Raucher ab 50 Jahren
- →Menschen mit Diabetes ab 50
- →Bekannte Atherosklerose (KHK, Schlaganfall in der Vorgeschichte)
- →Claudicatio intermittens — belastungsabhängiger Wadenschmerz
- →Nicht heilende Fußwunden, kalte oder pulslose Extremitäten
ABI jetzt berechnen
Vier systolische Drücke eingeben — der Rechner liefert seitengetrennten und Gesamt-ABI plus ACC/AHA-Klassifikation.
Zum Knöchel-Arm-Index-RechnerWas bei auffälligem ABI hilft
pAVK ist eine systemische Erkrankung — wer atherosklerotisch verschlossene Beinarterien hat, hat auch ein erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Drei Hebel mit der besten Evidenz:
- 1.Rauchstopp: Senkt das Progressionsrisiko der pAVK drastischer als jedes Medikament.
- 2.Strukturiertes Gehtraining: 3 × pro Woche bis zur Schmerzgrenze — verlängert die schmerzfreie Gehstrecke nachweislich.
- 3.Medikamentöse Sekundärprävention: Statin (LDL-Ziel < 70 mg/dL), Thrombozytenaggregationshemmer, Blutdruckeinstellung < 140/90.
Ab ABI < 0,50, Ruheschmerz oder Wundheilungsstörung: gefäßchirurgische oder interventionelle Vorstellung — Bypass, Angioplastie oder Stent können die Extremität retten.
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ABI ist ein Baustein im kardiovaskulären Risikoprofil. Sinnvoll kombinieren mit dem Blutdruck-Rechner für die Klassifikation der arteriellen Hypertonie, dem Herz-Kreislauf-Risiko-Rechner nach Framingham/SCORE2 und dem Diabetes-Risiko-Rechner, da Diabetes ein wesentlicher Treiber der pAVK ist.
Fazit
Der Knöchel-Arm-Index liefert mit minimalem Aufwand eine zuverlässige Aussage darüber, ob die Beinarterien noch frei durchblutet sind. Vier Manschettendrücke, eine Division, ein klares Ergebnis nach ACC/AHA.
Bei Werten unter 0,90 oder über 1,40 lohnt sich der Gang zur Gefäßmedizin. Beides hat klinische Konsequenzen — und beide Befunde sind häufiger, als die meisten denken.
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