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COPD Assessment berechnen — CAT, mMRC und GOLD-Gruppe verstehen

7. Mai 2026·9 min Lesezeit

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist mehr als „Husten und Atemnot". Wie stark dich die Erkrankung wirklich beeinträchtigt — und wie hoch dein Risiko für eine schwere Verschlechterung ist — lässt sich strukturiert messen. Genau dafür gibt es das COPD Assessment: drei einfache Werkzeuge, eine klare Einordnung in GOLD-Gruppe A, B oder E.

Dieser Beitrag erklärt, was mMRC, CAT und Exazerbationen aussagen, wie GOLD 2023 die Gruppen vergibt und welche Konsequenzen das für die Therapie hat.

Drei Werkzeuge — eine Aussage

GOLD (Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease) empfiehlt die Kombination dreier validierter Tools:

  • mMRC (modifizierte Medical Research Council Skala) — Atemnot-Grad 0 bis 4 (Bestall, Thorax 1999).
  • CAT (COPD Assessment Test) — 8 Fragen, je 0–5 Punkte, Gesamtscore 0–40 (Jones, Eur Respir J 2009).
  • Exazerbationen in den letzten 12 Monaten — Anzahl moderater Episoden + Klinikaufenthalte.

mMRC — die Atemnot-Skala

GradBeschreibung
0Atemnot nur bei starker Anstrengung
1Atemnot beim schnellen Gehen oder leichten Steigungen
2Langsamer als Gleichaltrige, muss stehen bleiben
3Stoppen nach 100 m oder wenigen Minuten
4Zu kurzatmig zum Anziehen oder Verlassen des Hauses

Die Schwelle für „viele Symptome" liegt bei mMRC ≥ 2. Diese Grenze entscheidet über die GOLD-Gruppe A vs. B (bei niedrigem Exazerbationsrisiko).

CAT — der Symptom-Score

Der CAT erfasst acht Lebensbereiche: Husten, Schleim, Engegefühl, Atemnot bei Belastung, häusliche Aktivität, Vertrauen außer Haus, Schlaf und Energie. Jede Frage erlaubt eine Bewertung von 0 bis 5. Der Gesamtscore von 0–40 wird wie folgt eingeordnet:

CAT-ScoreEinfluss auf den Alltag
< 10Gering
10 – 20Mittel
21 – 30Hoch
31 – 40Sehr hoch

Klinisch bedeutsame Veränderung: ≥ 2 Punkte (MCID, Kon et al., Lancet Respir Med 2014). Die Schwelle für „viele Symptome" in der GOLD-Klassifikation liegt bei CAT ≥ 10.

Exazerbationen — der Risiko-Faktor

Eine Exazerbation ist eine akute Verschlechterung, die eine Therapie-Änderung erfordert:

  • Moderat: ambulant — Antibiotika und/oder orale Steroide.
  • Schwer: stationäre Aufnahme oder Notaufnahme-Besuch.

GOLD ordnet jeden Patienten mit ≥ 2 moderaten oder ≥ 1 stationären Exazerbation pro Jahr direkt in Gruppe E ein — unabhängig von Symptomen.

Die GOLD ABE-Matrix

GruppeKriterienInitialtherapie (Stichworte)
A0–1 moderat, keine Klinik · mMRC ≤ 1 · CAT < 10Bronchodilatator (LAMA oder LABA)
B0–1 moderat, keine Klinik · mMRC ≥ 2 oder CAT ≥ 10LABA + LAMA (duale Bronchodilatation)
E≥ 2 moderat oder ≥ 1 stationärLABA + LAMA, ggf. + ICS bei Eosinophilie

Wichtig: GOLD 2023 hat die früheren Gruppen C und D zu einer einzigen Gruppe E zusammengefasst — der Gedanke: Exazerbationsrisiko ist behandlungsleitend, unabhängig vom Symptom-Profil.

Was das Assessment nicht ersetzt

Die COPD-Diagnose setzt eine Spirometrie voraus: FEV1/FVC < 0,70 nach Bronchodilatator. Die spirometrische GOLD-Gradierung (1–4) basiert auf dem FEV1-% des Sollwertes — und braucht den Pulmonologen.

Symptom-Assessment und Spirometrie ergänzen sich. Ein guter mMRC-Wert bei niedrigem FEV1 oder ein hoher CAT-Score bei „nur leicht" reduziertem FEV1 erzählen jeweils unterschiedliche Geschichten.

Was du jetzt tun kannst

  • Rauchstopp: die wichtigste Einzelmaßnahme. Senkt Exazerbationsrate, FEV1-Verlust und Mortalität deutlich.
  • Inhalator-Technik prüfen: bis zu 70 % der COPD-Patienten inhalieren falsch — nutzt einen 2-Minuten-Check beim Apotheker oder Arzt.
  • Pneumologische Reha: Belastbarkeit, CAT-Score und Lebensqualität verbessern sich messbar (Cochrane 2023).
  • Impfungen: Grippe, Pneumokokken, COVID-19, ggf. RSV — reduziert Exazerbationen.

Verwandte Themen & Rechner

  • Asthma-Kontrolle: Asthma und COPD überschneiden sich (ACOS). Wer beides hat, sollte beide Tools regelmäßig nutzen. Zum ACT-Artikel.
  • VO₂max: die maximale Sauerstoffaufnahme korreliert direkt mit dem CAT-Score und ist ein guter Verlaufsparameter. Zum VO₂max-Artikel.
  • Rauchen-Kosten: Tabakrauch ist Ursache Nr. 1. Den finanziellen Einsparungs-Effekt sichtbar machen ist starke Motivation. Zum Kosten-Rechner.

Jetzt dein COPD-Assessment durchführen

10 Fragen, anonym, sofort. mMRC, CAT-Score und GOLD-Gruppe (A/B/E) auf einen Blick.

Zum COPD Assessment Rechner →

Häufige Fragen

Reicht das Assessment für eine COPD-Diagnose?

Nein. Die Diagnose verlangt eine Spirometrie mit FEV1/FVC < 0,70 nach Bronchodilatator. Das Assessment quantifiziert Symptome und Risiko bei diagnostizierter COPD oder hilft, die Schwelle zur Abklärung niedriger zu legen.

Wie oft sollte ich die Skalen wiederholen?

Bei stabiler COPD alle 6–12 Monate. Nach jeder Therapie-Umstellung, nach einer Exazerbation oder bei spürbarer Verschlechterung früher. Der Trend ist informativer als ein Einzelwert.

Was ist der Unterschied zwischen ABCD (alt) und ABE (neu)?

Bis 2022 unterschied GOLD vier Gruppen (A, B, C, D). Seit GOLD 2023 wurden die früheren Gruppen C und D zur einheitlichen Gruppe E („Exacerbation") zusammengefasst — Therapie wird bei hohem Risiko unabhängig vom Symptom-Profil eskaliert.

Was bedeutet ein CAT-Score von 25?

25 fällt in die Kategorie „hoher Einfluss" — viele Symptome, deutlich beeinträchtigte Lebensqualität. Das spricht für eine Therapie-Anpassung. Sprich mit deinem Pneumologen über duale Bronchodilatation, Reha und ICS-Indikation.