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Osteoporose-Risiko berechnen: FRAX 10-Jahres-Frakturrisiko verstehen

6. Mai 2026·9 min Lesezeit

In Deutschland leben rund 6 Millionen Menschen mit Osteoporose — die Mehrheit Frauen nach der Menopause. Jährlich werden über 700.000 osteoporotische Frakturen registriert, davon ca. 130.000 Hüftbrüche mit erheblicher Morbidität. Dabei ist Osteoporose gut vermeidbar und behandelbar — wenn sie erkannt wird.

Dieser Ratgeber zeigt, wie du dein 10-Jahres-Frakturrisiko mit einem FRAX-basierten Score abschätzt — ohne DXA-Knochendichtemessung, aber präzise genug, um den Bedarf für ärztliche Abklärung zu erkennen.

Was ist Osteoporose?

Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung mit verminderter Knochenmasse und gestörter Mikroarchitektur. Die Knochen werden brüchig — typische Frakturlokalisationen sind Wirbelkörper, Hüfte, Handgelenk und Oberarmkopf. Ein Drittel aller Frauen über 50 erleidet im Laufe ihres Lebens eine osteoporotische Fraktur.

Diagnostisch wird die Knochendichte per DXA-Messung am Femurhals und Lendenwirbelsäule bestimmt. Der T-Score vergleicht den Wert mit gesunden jungen Erwachsenen: T ≤ -2,5 entspricht der WHO-Definition Osteoporose, -2,4 bis -1,0 ist Osteopenie (Vorstufe).

FRAX — der Goldstandard für die Risikoschätzung

Die WHO entwickelte mit FRAX (Fracture Risk Assessment Tool) einen Algorithmus, der das 10-Jahres-Risiko für eine schwere osteoporotische Fraktur aus 11 klinischen Risikofaktoren berechnet — optional mit Knochendichte. FRAX bildet die Grundlage der DVO- und NOF-Behandlungsleitlinien.

Unser Rechner überträgt die FRAX-Logik in einen einfachen Punktescore — ideal als Vorscreening, bevor du eine DXA durchführen lässt.

Die 11 wichtigsten Risikofaktoren

RisikofaktorPunkteBedeutung
Alter0–7Stärkster nicht-modifizierbarer Faktor
Weibliches Geschlecht+1Östrogen-Mangel nach Menopause
BMI < 19+2Untergewicht reduziert Knochenmasse
Frühere Fraktur+3Stärkster modifizierbarer Prädiktor
Hüftfraktur Elternteil+2Wichtigster genetischer Faktor
Rauchen+1Hemmt Osteoblasten, fördert Frakturheilungsstörungen
Glukokortikoide ≥ 3 Mon.+2Sekundäre Osteoporose Nr. 1
Rheumatoide Arthritis+1Entzündung + Glukokortikoide
Sekundäre Ursachen+1Diabetes Typ 1, Hyperthyreose, frühe Menopause
Alkohol ≥ 3 E/Tag+2Hemmt Osteoblasten, erhöht Sturzrisiko
T-Score (DXA)0–3Optional, wenn Knochendichtemessung vorliegt

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Wann ist eine Therapie nötig?

Die DVO-Leitlinie empfiehlt eine medikamentöse Therapie ab einem 10-Jahres-Risiko von ≥ 20 % für schwere Frakturen — entspricht in unserem Score ≥ 8 Punkten. Klare Therapieindikationen sind außerdem:

  • T-Score ≤ -2,5 in der DXA
  • Stattgehabte Wirbelfraktur (radiologisch nachgewiesen)
  • Hüftfraktur ohne adäquates Trauma
  • Langzeit-Glukokortikoid-Therapie ≥ 7,5 mg Prednisolon-Äquivalent

Therapieoptionen im Überblick

  • Bisphosphonate (Alendronat, Risedronat, Zoledronat): First-Line, oral oder i.v., reduzieren Frakturrate um ca. 50 %.
  • Denosumab: Antikörper gegen RANKL, alle 6 Monate s.c. — Vorsicht beim Absetzen (Rebound-Frakturen).
  • Teriparatid: PTH-Analog, anabol, für schwere Osteoporose mit hohem Frakturrisiko.
  • Romosozumab: Sklerostin-Antikörper, dual wirksam, neue Option bei sehr hohem Risiko.
  • Basistherapie: Immer 1000 mg Kalzium und 800–1000 IE Vitamin D — siehe auch unseren Vitamin-D-Rechner.

Prävention: Was du selbst tun kannst

  • Belastung & Krafttraining: 2–3× pro Woche, am besten mit Springen oder Krafttraining gegen Widerstand.
  • Eiweiß: 1,0–1,2 g pro kg Körpergewicht, gleichmäßig über den Tag verteilt.
  • Kalzium: 1000 mg pro Tag, bevorzugt aus Milchprodukten und kalziumreichem Wasser.
  • Vitamin D: 800–1000 IE pro Tag, höher bei Mangel oder geringer Sonnenexposition.
  • Sturzprophylaxe: Sehkraft prüfen, rutschfeste Schuhe, sichere Wohnumgebung.
  • Verzicht auf: Nikotin, Alkohol > 2 Einheiten/Tag, exzessives Untergewicht.

Verwandte Rechner

Knochengesundheit hängt eng mit anderen Stoffwechsel- und Lebensstilfaktoren zusammen. Mit dem Vitamin-D-Rechner ermittelst du deinen Bedarf für eine ausreichende Kalziumresorption. Der Rechner für biologisches Alter bewertet dein Alterungstempo holistisch — Knochen- und Muskelmasse gehören dazu. Und wer untergewichtig ist, profitiert vom BMI-Rechner zur ersten Orientierung — niedriger BMI ist ein etablierter Frakturrisikofaktor.

Fazit

Osteoporose entwickelt sich über Jahre still — die erste Fraktur ist oft das erste Symptom. Mit unserem Osteoporose-Risiko-Rechner siehst du in Sekunden, ob eine DXA-Messung sinnvoll ist. Frühzeitige Diagnose plus konsequente Basis- und ggf. medikamentöse Therapie reduziert das Frakturrisiko nachweislich um die Hälfte.